Einigung zwischen Geschäftleuten

MEDIATION:

Keine Verlierer sondern Lösung, mit der Alle gut leben können

Das renommierte Meinungsforschungsinstitut Allensbach hat vor kurzem eine Meinungsumfrage außergerichtliche Konfliktbewältigung veröffentlicht. Dabei trat zutage, daß die Deutschen immer mehr Wert auf schnelle, außergerichtliche Lösung von Rechtsstreitigkeiten legen.
Jeder vierte Deutsche war in den letzen 10 Jahren an einem Gerichtsverfahren beteiligt. Nur 49 % der Befragten gab an, das Ergebnis im eigenen Prozess als gerecht empfunden zu haben. 61 % der Deutschen empfindet den Gedanken an eine eigene Beteiligung in gerichtlichen Verfahren als sehr unangenehmen. Sogar 51 % wären bereit, gegebenenfalls nachzugeben, um einen Gerichtprozess zu vermeiden. Dies liegt unter anderem auch daran, daß drei Viertel der Befragten glauben, daß die Gerichtsverfahren in Deutschland zu lange dauern.
Bei der Präsentation der Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut Allensbach in Berlin war auch Rechtsanwalt und Mediator Klaus Huber aus Dinkelsbühl eingeladen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion erläuterte die Ministerialdirektorin im Bundesjustizministerium Marie Luise Graf-Schlicker den Entwurf des neuen „Gesetzes zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung“. Seitens des Gesetzgebers wird davon ausgegangen, daß zukünftig über 20 % der Gerichtsverfahren vermieden werden können, wenn sich die Rechtssuchenden an speziell als „Mediatoren“ ausgebildete Rechtsanwälte wenden. Diese Einschätzung teilte auch der Vorsitzende des Präsidiums im Deutschen Richterbund Christoph Frank. Nach der Untersuchung gehen 60 % der Bevölkerung davon aus, daß es bei der Mediation keinen Verlierer, sondern eine Lösung gibt, mit der alle Beteiligten gut leben können.
Unter Mediation (Iat. „Vermittlung“) versteht man ein strukturiertes freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung oder Vermeidung eines Konfliktes. Die Medianten, die Konfliktparteien, versuchen dabei mit Unterstützung einer dritten unparteiischen Person (=Mediator) eine einvernehmliche Lösung zu vereinbaren, die ihren Bedürfnissen und Interessen entspricht. Der Mediator trifft dabei anders als ein Schlichter oder Richter keine eigenen Entscheidungen bezüglich des Konflikts und bringt auch keine eigenen Lösungsvorschläge ein, sondern ist lediglich für die Strukturierung des Verfahrens verantwortlich. Bei einem Gerichtsverfahren wird das Gericht bemüht und der Richter entscheidet schlussendlich über den Ausgang des Verfahrens, indem dieser ein Urteil spricht. Im Zweifel erhält nur eine Partei Recht, es sei denn, es wird ein Vergleich geschlossen.
Bei der Mediation dagegen werden die Parteien angeleitet, die Gründe hinter dem eskalierten Streit zu suchen und mit Blick in die Zukunft selber eine Lösung zu finden, die beiden Parteien gerecht wird.
Das ist vor allem interessant, wenn ein Rechtsstreit droht, bei dem viele teure Gutachten (Bewertung einer Firma oder einer Immobilie) nötig sein werden, eine lange Verfahrensdauer zu erwarten ist oder aber Kinder/Familienangehörige involviert sind. Besonders sind damit Fälle gemeint bezüglich einer Unternehmensnachfolge, einer Streitigkeit unter Geschäftsleuten oder in einer Erbrechtsangelegenheit. Hierbei ist hervorzuheben, dass ein Mediationsverfahren meist in kürzerer Zeit abgewickelt werden kann, die Parteien sich danach weiterhin oder wieder in die Augen sehen können und meist die Kosten gegenüber einem streitigen Gerichtsverfahren geringer gehaltenwerden können.

Die Mediation in ihrer heutigen Form entwickelte sich aus der Praxis der außergerichtlichen Konfliktregelung. Sie hat dabei Ansätze der Konflikt- und aus der Verhandlungsforschung, des psychologischen Problemlösens, der Psychotherapie sowie der systemischen Therapie aufgegriffen, sodass die Grundlagen der Mediation interdisziplinäre Quellen haben. Ausgangspunkt war die Universität Harvard, deren Lehren insbesondere bei den politischen Verhandlungen über die Halbinsel Sinai zwischen Israel und Ägypten unter Leitung der USA Anwendung fanden und hierbei Berühmtheit erlangten. In Deutschland hat sich das Verfahren seit etwa 1990 zunehmend etabliert. Wichtigste Grundidee der Mediation ist die Eigenverantwortlichkeit der Konfliktparteien: Der Mediator ist verantwortlich für den Prozess, die Parteien sind verantwortlich für den Inhalt. Dahinter steht der Gedanke, dass die Beteiligten eines Konflikts selbst am besten wissen, wie dieser zu lösen ist, und vom Mediator lediglich hinsichtlich des Weges dorthin Unterstützung benötigen.
Grundsätzliches Ziel der Mediation ist die Lösung eines Konfliktes durch den wechselseitigen Austausch über die Konflikthintergründe. Dabei soll eine verbindliche, in Zukunft tragfähige Konsensvereinbarung der Medianten entwickelt werden. Anders als bei z.B. Gerichtsverfahren kommt es für die Konfliktlösung nicht primär auf ein Verschulden oder persönliche Vorwerfbarkeit bei den Parteien an.
Wesentliche Grundprinzipien der Mediation sind vor allem:
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Allparteilichkeit
I
Neutralität des Mediators: Der Mediator ist inhaltlich neutral, leitet die Mediation gegenüber den Konfliktparteien jedoch allparteilich, das heißt, er steht auf der Seite jedes Beteiligten. So gleicht er beispielsweise ein Machtgefälle zwischen den Parteien aus, in dem er vorübergehend als Sprachrohr der kommunikationsschwächeren Partei agiert.
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Vertraulichkeit: Sowohl die Parteien, als auch der Mediator äußern sich außerhalb der Mediation nicht zu den Verfahrensinhalten.
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Freiwilligkeit: Alle Beteiligten nehmen freiwillig am Verfahren teil und können die Mediation jederzeit abbrechen.
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Selbstbestimmtheit
I
Eigenverantwortlichkeit: die Parteien bestimmen den Inhalt des Verfahrens und einer evtl. Abschlussvereinbarung. Der Mediator hat weder eine Entscheidungskompetenz, noch bringt er eigene Lösungsvorschläge ein.
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Ehrlichkeit und Informiertheit: die Parteien informieren sich gegenseitig wahrheitsgemäß und umfassend über die entscheidungserheblichen Tatsachen.
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Ergebnisoffen und veränderbar: das Ergebnis darf nicht bereits zu Beginn feststehen. Alle Konfliktparteien müssen mit einer gewissen prinzipiellen Verhandlungsbereitschaft in die Mediation gehen, die eine spätere Lösung offen lässt. Zentrales Anliegen jeder Mediation ist es, die Konfliktparteien wieder in ein Gespräch miteinander zu bringen. Dazu wird der neu beginnende kommunikative Ablauf so gesteuert, dass die Konfliktparteien Sache und Person voneinander trennen, individuelle Wahrnehmungsphänomene als Konfliktfaktoren anerkennen und für sich Entscheidungsverzerrungen durch Selbstreflektion aufdecken.

Dazu werden im Verfahren die folgenden fünf Phasen durchlaufen:

Phase 1: Die Mediationsvereinbarung:
Zunächst werden die Parteien über das Mediationsverfahren, sowie die Rolle und Aufgaben des Mediators informiert. Sodann wird das weitere Vorgehen miteinander abgestimmt. Hier werden sozusagen die „Spielregeln“ vereinbart und auch die Höhe und Verteilung der zu erwartenden Kosten erörtert. Respektvoller Umgang der Parteien: es können Gesprächsregeln vereinbart werden, die eingehalten werden. Rhetorik soll nicht als „Waffe zum Vernichtungsschlag“ missbraucht werden, um den Gegner zu schwächen oder zu verletzen. Keine Rechtsberatung: der Mediator – auch wenn zugleich als Rechtsanwalt zugelassen – leistet keine Rechtsberatung dahingehend, dass er die Parteien ähnlich einem Richter bei einem Vergleichsvorschlag unaufgefordert über gesetzliche Leitbilder der möglichen Entscheidung informiert. Grundsätzliches Ziel der Mediation ist die Lösung eines Konfliktes durch den wechselseitigen Austausch über die Konflikthintergründe. Dabei soll eine verbindliche, in Zukunft tragfähige Konsensvereinbarung der Medianten entwickelt werden. Am Ende der Phase 1 werden die Mediationsvereinbarung und der Mediationsvertrag abgeschlossen.
Phase 2: Die Themensammlung:
In der Phase 2 stellen die Parteien ihre Streitpunkte und Anliegen im Zusammenhang dar, sodass die Themen und Konfliktfelder gesammelt und für die weitere Bearbeitung strukturiert werden können.
Am Ende der Phase 2 stehen die konfliktrelevanten Themen und die Reihenfolge ihrer Erörterung fest, wobei diese Themensammlung vorläufig ist und noch im Verfahren jederzeit verändert werden kann, wenn es erforderlich wird. Erst anschließend werden diese Lösungsoptionen von den Medianten inhaltlich bewertet.
Phase 3: Die Bedürfnisermittlung
In der dritten Phase beginnt die eigentliche Problembearbeitung. Die Medianten stellen ihre Sicht des jeweiligen Aspekts des Konflikts zu jedem Themenpunkt umfassend dar. Informationen, Fakten und (subjektive) Wahrnehmungen werden ausgetauscht, bevor auf die unterschiedlichen und gemeinsamen Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der Parteien vertieft eingegangen wird, um den Konflikt aufzuhellen. Es erfolgt in dieser Phase vor allem der Übergang von Positionen zu dahinter liegenden Bedürfnissen.
Phase 4: Lösungsfindunq einer Teillösung:
In der vierten – der kreativen – Phase werden zu den in Phase 3 erörterten Problemfeldern zunächst möglichst viele Lösungsoptionen bewertungsfrei gesammelt und notiert. Dieses geschieht oft im Rahmen eines Brainstormings. Auf die Realisierbarkeit der Optionen kommt es zunächst nicht an. Keine Idee, keine Lösungsoption kann zu abwegig sein, um nicht notiert zu werden. Aus den Lösungsoptionen, die realisierbar und bei Parteien als gut erscheinen, wird dann eine noch unverbindliche, später in Phase 5 noch veränderbare Teillösung entwickelt, die den in Phase 3 entwickelten Bedürfnissen Rechnung trägt.
Phase 5: Die Abschlussvereinbarung:
Verbindliche Lösung des Konflikts und Umsetzung
In der letzten Phase der Mediation werden die Teillösungen zu einer Gesamtlösung zusammengefasst. Im Idealfall entsteht eine konkrete Regelung des weiteren Vorgehens einschließlich der Festlegung von Umsetzungsfristen bis hin zum Verhalten im zukünftigen
Konfliktfall.
Hier ist zwischen der inhaltlichen Lösung (materiell) und deren formaler Ausgestaltung (Schriftform, notarielle Beurkundung etc.) zu unterscheiden. Endergebnis der Mediation soll jedenfalls eine Vereinbarung zwischen den Medianten sein, wie sie mit den besprochenen Problempunkten zukünftig konstruktiv umgehen werden.

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